DAB+ in Nordrhein-Westfalen: Kommt ein "Lex radio NRW"?

47 Veranstalter von Hörfunkprogrammen sowie Plattformbetreiber haben Interesse an DAB+-Kapazitäten in Nordrhein-Westfalen angemeldet (SatelliFax berichtete). Am heutigen Donnerstag findet eine Anhörung von Sachverständigen im Landtag in NRW zum digital-terrestrischen Radio statt. Wie es aus gut informierten Kreisen heißt, zeichneten sich hierbei interessante und bemerkenswerte Entwicklungen ab. Unabhängig vom Ausgang des heutigen Tags wird relevant sein, welche Änderung Eingang in die Novelle des Landesmediengesetzes finden soll, das im Februar verabschiedet werden soll.

Der Verband der Lokalradios NRW (VLR) und der Mantelprogrammanbieter radio NRW wünschen einen langsamen und stufenweisen Auf- und Ausbau von DAB+. Sie wollen zunächst nur einen landesweiten Multiplex. Wie es aus Insiderkreisen heißt, um die lokalen Anzeigen- und Werbemärkte zu schützen. Hierbei wünsche man eine gesetzliche Vorrangregelung für radio NRW, das sich mit mehreren Programmen für den Landesmux interessiert. Oberster Vorrang soll für Anbieter gelten, die bereits in NRW lizenziert sind und terrestrische Frequenzen haben. Bekanntermaßen trifft das im Privatfunk nur auf die Lokalradios plus radio NRW, Domradio und Central FM Pulheim zu. Der Verband fordert des Weiteren eine finanzielle Unterstützung für den Lokalfunk durch die öffentliche Hand.

Sollte es auch regionale DAB+-Multiplexe geben, wünschen die Lokalfunk-Akteure ebenfalls eine Vorrangregelung, die auch bei der Vergabe neuer UKW-Frequenzen zutreffen soll. Sollte dies so kommen, wäre laut Insidern ein Marktzutritt für andere Programmanbieter problematisch: Ihnen blieben regionale Werbemärkte verschlossen und zugleich gäbe es mit zwei UKW-Ketten in den Händen der Verlage ein Duopol in der Vermarktung bei WDR und radio NRW, welches mit den bislang nur geringen DAB+-Reichweiten nur schwer zu kontern sei.

Die Politik soll zudem sicherstellen, dass Plätze auf den Multiplexen so lang für die Lokalradios freigehalten werden, bis diese den Einstieg in Digitalradio wagen wollen.

Von den Forderungen wären neue, freie Interessenten wie zum Beispiel MEHR! Radio aus Düsseldorf betroffen. “Wir haben Verständnis für die Zukunftssorgen der Lokalradios und auch angeboten, ihnen Kapazitäten eine Zeit lang freizuhalten”, so Richard Zyla, Geschäftsführer von MEHR! Radio, im Branchendienst “radioszene.de”. “Aber ein Betrieb von nicht ausgelasteten Multiplexen ist wirtschaftlich unsinnig. Die Monopolradios hatten lang genug Zeit, sich auf diesen Moment vorzubereiten.”

Auch den geforderten Vorrang für bestehende Radios in NRW hält MEHR! Radio im Zeitalter der Digitalisierung für grotesk. Zyla: “Die digitale Technik ermöglicht Dutzende von Programmen an jedem Standort. Ein 30-jähriges Monopol in die digitale Welt zu übertragen, verhindert Innovation und Vielfalt und schwächt den Standort NRW. Die Praxis der künstlichen Eingriffe in die Radiolandschaft muss ein Ende haben”.

SatelliFax hält Sie über die Ergebnisse der Anhörung und die weitere Entwicklung in NRW auf dem Laufenden.

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